Fokkema & Partners Architecten

Loft mit offener Galerie

Unter den sichtbaren Holzbinder zieht sich der Raum weit nach oben, während ein schmales Band aus Öffnungen den Blick durch das Loft lenkt. Der Umbau eines ehemaligen Magazins setzt nicht auf geschlossene Zimmerfolgen, sondern auf ein offenes Grundrisskonzept, das Wege, Blickachsen und Zwischenräume in den Vordergrund rückt. Weißer Putz, rohe Holzflächen und einzelne gläserne Elemente halten sich dabei nicht gegenseitig zurück, sondern machen die Struktur des Bestands lesbar.

Ein Bestand mit klarer Tragstruktur

Das Gebäude ist ein Backsteinbau mit drei großen Abschnitten. Jede Ebene misst 8 x 21 Meter; in der Mitte steht eine Reihe eichenhölzerner Stützen. Darüber liegen Balken und Träger aus Eiche, auf denen Dielen aus Kiefernholz aufbauen. Diese Konstruktion bleibt im Innenraum sichtbar und gibt dem minimalistischen Loftinterieur seine Spannung. Statt die Konstruktion zu verkleiden, arbeitet der Entwurf mit ihrem Rhythmus: vertikale Stützen, horizontale Träger und dazwischen freie Luft.

Auch die Dachzone trägt zu dieser Offenheit bei. Das Dachgeschoss nimmt die oberen beiden Ebenen ein und bildet einen hohen, zusammenhängenden Raum, in dem sich die sichtbare Holzkonstruktion weit ausbreitet. In den Fotos verdichten sich diese Linien zu einer klaren Raumfigur: schwere Balken oben, lichte Flächen darunter, dazwischen ein offener Schnitt durch das Gebäude. So bleibt der Umbau nicht bei einer bloßen Hülle stehen, sondern macht die Tragstruktur zum eigentlichen Maßstab der Raumfolge.

Drei würfelförmige Raumvolumen als ruhige Punkte

Aus dem offenen Plan heraus entwickeln sich drei würfelförmige Raumvolumen. Sie setzen nicht mitten in den Raum ein Statement, sondern bündeln die notwendigen Funktionen an präzisen Stellen. Der erste Würfel schwebt knapp über dem Erdgeschoss und enthält zwei Bäder; satiniertes Glas trennt dort Dusche und Wohnbereich. Der zweite Würfel sitzt mittig im Raum, nimmt ein Schlafzimmer auf und trägt die Küche. Der dritte hängt unter der vertäfelten Dachschräge und enthält ein weiteres Schlafzimmer mit Blick nach außen.

Diese Kuben sind mehr als Einbauten. Sie markieren Übergänge, fassen den Grundriss und geben der offenen Fläche Halt. Weißer Putz und satiniertes Glas lassen sie als ruhige Körper erscheinen, während die alte Holzkonstruktion um sie herum weiterlesbar bleibt. Mal legen sich die Kuben an die Struktur an, mal stehen sie ihr gegenüber. Dadurch entsteht keine starre Zimmerreihe, sondern ein System aus offenen Feldern, Kernen und Durchblicken.

Treppe über Galerie und Wege durch den Raum

Die vertikale Bewegung ist ebenso wichtig wie die horizontale. Eine Treppe wächst aus eichenen Brettern aus der Wand, ein anderer Kubus schiebt sich durch die Decke und wird zum Podest einer Treppe auf das Dachterrassen-Niveau. Solche Eingriffe halten die Wege kurz und lesbar. Die Treppe über Galerie ist nicht als repräsentatives Einzelstück gedacht, sondern als Teil der Raumnutzung, die oben und unten miteinander verbindet. Wer sich durch das Loft bewegt, passiert die Kuben fast wie Wegmarken.

Auf den Bildern zeigt sich diese Zirkulation in langen Perspektiven. Eine schmale Laufzone mit dunkler Stahlkante, offene Übergänge und der Blick unter die Dachbalken führen den Raum weiter, als die Wände es tun könnten. Gerade in einem minimalistischen Loftinterieur ist das wichtig: Jede Stufe, jede Öffnung und jede Kante gibt Orientierung. Nichts wirkt zufällig, obwohl der Raum viel offen lässt.

Unten wird gespielt, oben wird gekocht und gewohnt

Das Erdgeschoss ist vor allem dem Spielen und Schlafen zugeordnet. Dadurch bleibt die untere Ebene frei genug, um nicht zu stark in einzelne Zimmer zerlegt zu werden. Im oberen Geschoss liegen der Kochbereich und ein Wohnzimmer an der Vorderseite. Dort öffnet sich eine lange, schmale Fensterzone und zieht den Blick weit durch den Raum. Das Licht fällt flach ein und trifft auf weiße Flächen, Holz und einzelne dunkle Details aus Stahl.

Vor dem Fenster läuft eine durchgehende Bank über die gesamte Länge. In ihrer Mitte sitzt ein offener Kamin ohne seitliche Einfassung. Die Flammen stehen frei im Raum, statt in einem schweren Kasten zu verschwinden. Dieses Detail verändert die Wahrnehmung des Wohnbereichs: Der Blick bleibt horizontal, die Feuerstelle unterbricht ihn nur kurz. Zusammen mit der langen Fensterkante entsteht ein ruhiger, aber nicht statischer Abschnitt des Loftes.

Holz, Glas und Putz im selben Blickfeld

Die Materialkombination ist sparsam, aber präzise gesetzt. Weißer Putz nimmt dem Raum keine Tiefe, sondern lässt die Holzbinder und Stützen deutlicher hervortreten. Satiniertes Glas arbeitet als milde Trennung, nicht als harte Abgrenzung. Das zeigt sich besonders an den Bädern im ersten Würfel, wo die Grenze zwischen Dusche und Wohnraum bewusst leicht bleibt. Die Oberfläche nimmt Licht auf, ohne den Raum zu verschließen.

In den Fotos kommen zusätzlich einzelne Backsteinflächen ins Spiel. Sie bilden einen raueren Gegenpol zu den glatten weißen Flächen und den geschliffenen Hölzern. Auch in der Schlafzone mit Backsteinakzent bleibt die Konstruktion lesbar: Decke, Wand und Möbelkörper liegen nicht übereinander, sondern treten gegeneinander an. So erhält das Loft eine klare innere Spannung, die aus dem Bestand und den wenigen neuen Elementen entsteht.

Offene Galerie mit Blick auf die Konstruktion

Die offene Galerie bleibt kein bloßer Umlauf, sondern ein Ort, von dem aus die Konstruktion im Ganzen erfasst wird. Von dort sieht man die Reihen der Balken, die hohen Dachspanten und die offenen Kanten der Geschosse. Der Raum wirkt dadurch nicht aus einem Guss glattgezogen, sondern in Schichten gelesen: Tragwerk, Einbauten, Laufzonen und Öffnungen. Genau darin liegt die Stärke des offenen Grundrisskonzepts. Es räumt nicht nur frei, es ordnet den Blick.

Auch die Fugen zwischen Alt und Neu sind bewusst spürbar. Die Kuben nehmen sich zurück, damit das alte Holz weiter sichtbar bleibt. Umgekehrt geben die weißen Volumen dem Bestand eine klare Gegenform. Wer durch das Loft geht, erlebt keine Abfolge abgeschlossener Zimmer, sondern ein Zusammenspiel aus offenen Flächen, festen Kernen und einer Dachkonstruktion, die stets mit im Bild bleibt. Das macht die Umnutzung lesbar, ohne sie zu erklären.

Am Ende prägen nicht einzelne Möbel oder Dekorationen den Eindruck, sondern die räumliche Ordnung selbst: ein ehemaliges Magazin, das durch drei kubische Volumen, sichtbare Holzbinder und eine offene Galerie neu gefasst wurde. Die Länge von 21 Metern, die Stützen im Mittelfeld und die freie Höhe unter dem Dach geben dem Projekt seinen Takt. Alles Weitere folgt daraus. So entsteht ein Loft, das von Bewegung lebt und seine Struktur nicht versteckt.

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