Umgebaute Wasserturmwohnung
Schon die runde Grundform setzt den Ton: Aus einem vernachlässigten Wasserturm wurde eine umgebaute Wasserturmwohnung für eine Familie. Die zylindrische Architektur bleibt ablesbar, doch innen lenken große Fenster den Blick in helle Räume mit klaren Linien und ruhigen Flächen. Das industrielle Erbe verschwindet nicht, es wird neu gelesen. Schwarze Kanten, Stein- und Betonoberflächen und eine reduzierte Einrichtung geben dem Haus eine nüchterne Präsenz, die weder kalt noch dekorativ wirkt.
Die runde Hülle bleibt sichtbar
Von außen zeigt der Turm seine Geschichte über die Kreisform und die massiven Wandflächen. Die Öffnungen sitzen wie präzise geschnittene Einschnitte in der zylindrischen Architektur, einzelne Bereiche werden durch vertikale Lichtakzente betont. Diese Form bestimmt auch das Wohnen im Inneren, weil es kaum rechte Winkel gibt, die den Raum beruhigen oder ordnen könnten. Stattdessen arbeiten Wandverlauf, Öffnungen und Materialwechsel mit der Geometrie des Bestands und machen die umgebaute Wasserturmwohnung als Umbau sofort lesbar.
Gerade die Verwandlung vom technischen Baukörper zum Wohnhaus lebt davon, dass nicht alles geglättet wurde. Die Oberfläche bleibt rau genug, um den Ursprung mitzudenken, während die neue Nutzung sich über klare Einbauten und eine zurückhaltende Materialwahl behauptet. So entsteht kein dekorierter Effekt, sondern ein Wohnraum, der die bestehende Struktur ernst nimmt. Die runde Form ist dabei kein Hindernis, sondern der Rahmen für den gesamten Grundriss.
Eine Treppe, die den Verlauf im Haus vorgibt
Im Inneren übernimmt die Treppe eine leitende Rolle. Sie verläuft mit rechteckigen Tritten und einer schmalen, dunklen Metallbalustrade durch den Raum und setzt einen harten Kontrast zu den geschwungenen Wänden. An einigen Stellen wirkt die Treppe fast wie eine Linie, die den Blick weiterzieht, an anderen öffnet sie sich in einer runden Bewegung innerhalb des Turmkörpers. Genau dort wird die runde Treppe zum architektonischen Motiv, ohne zum reinen Schauelement zu werden.
Die Treppenzone zeigt auch, wie sorgfältig die Übergänge innerhalb der umgebauten Wasserturmwohnung organisiert sind. Glasflächen lassen Licht durch und halten die Ansichten offen, während die dunklen Geländer die Bewegung im Raum markieren. Dadurch entsteht ein deutlicher Rhythmus aus Aufstieg, Öffnung und kurzer Pause. Wer durch das Haus geht, erlebt nicht einfach Geschosse übereinander, sondern eine Folge von Ebenen, die durch die Treppe verbunden und im Alltag gut ablesbar werden.
Glas, Metall und eine klare Linie
Die Kombination aus Glas und Metall strukturiert mehrere Bereiche des Hauses. Sie taucht an der Treppe auf, begleitet aber auch die Innenräume als zurückhaltende Rahmung. Das Materialbild bleibt bewusst knapp: dunkle Profile, transparente Flächen und helle Wandfelder. In einem Baukörper mit zylindrischer Architektur ist diese Klarheit wichtig, weil sie Orientierung schafft, ohne die runde Form zu überdecken. So bleibt das industrielle moderne Interieur präzise, aber nicht streng.
Helles Wohnen hinter den großen Fenstern
Die großen Fenster verändern die Wahrnehmung der Räume sofort. Tageslicht fällt tief hinein und trifft auf Steinboden, helle Wände und einzelne dunkle Möbelkanten. Im Wohnbereich liegt eine L-förmige Ecke auf dem Boden, daneben steht ein rundes schwarzes Element, das die Geometrie des Turms im Kleinen aufnimmt. Diese Mischung aus offenen Blicken und klar gesetzten Möbeln gibt dem Raum Ruhe, ohne ihn leer wirken zu lassen.
Gerade im Zusammenspiel von Fensteröffnung und Raumkurve zeigt sich, wie gut die umgebaute Wasserturmwohnung auf ihren Bestand reagiert. Die Lichtführung betont nicht nur die Oberfläche, sondern auch die Tiefe des zylindrischen Volumens. Je nach Standpunkt kippt der Eindruck zwischen Industrie und Wohnraum: einmal dominiert die robuste Hülle, dann wieder die helle, bewohnbare Mitte. Das Ergebnis lebt von Kontrasten, nicht von Effekten.
Ein Küchenbereich mit dunklen und hellen Flächen
Auch die Küche folgt diesem zurückhaltenden Zugriff. Dunklere Fronten stehen neben helleren Flächen, dazu kommen sichtbare Konstruktionsteile und eine schmale Linienführung. Der Raum wirkt nicht auf ein einzelnes Möbelstück zugeschnitten, sondern auf die Bewegung im Haus. Von hier aus liest man die Struktur des Gebäudes besonders gut, weil sich die runde Wand, die Kanten der Einbauten und die offenen Durchblicke gegenseitig kommentieren. Das industriell moderne Interieur bleibt dabei wohnlich, aber ohne weiche Kulisse.
Die Materialwahl ist sparsam, aber präzise. Holz taucht nur vereinzelt auf, während Glas, Metall und mineralische Oberflächen den Ton angeben. Dadurch wirken die Flächen nicht überladen. Stattdessen bleibt genug Luft zwischen den Elementen, um die Form des Turms spürbar zu halten. Gerade in einer umgebauten Wasserturmwohnung ist diese Zurückhaltung sinnvoll, weil die Architektur bereits stark genug ist, um den Raum zu tragen.
Ein minimalistisches Bad mit dunklem Kontrast
Das Bad setzt auf ein klares Schwarz-Weiß-Spiel. Dunkle Fliesen ziehen sich über Boden und Wandbereiche, die Glasdusche bleibt leicht und transparent. Ein rundes Spiegelmotiv und ein schlichtes Waschtischmöbel nehmen dem Raum die Härte, ohne ihn zu verkleiden. So entsteht ein minimalistisches Bad, das mit wenigen Mitteln auskommt und trotzdem deutlich innerhalb der Gesamtgestaltung verankert bleibt.
Besonders auffällig ist, wie das Tageslicht auch hier die Oberfläche liest. Hinter oder neben der Dusche liegt eine helle Öffnung, die die dunklen Flächen schärfer erscheinen lässt. Die Kanten, Fugen und Glaspaneele werden dadurch sichtbar, statt sich zu verlieren. Dieses Spiel aus Licht und dunklem Material passt zum Rest des Hauses: wenig Dekor, klare Konturen, kontrollierte Übergänge. Die umgebaute Wasserturmwohnung hält diese Linie bis in die Nebenräume durch.
Eine Familienwohnung, die den Bestand nicht versteckt
Als Familienwohnung funktioniert das Haus vor allem über seine lesbare Organisation. Die Räume folgen keiner geraden Vorlage, sondern dem vorhandenen Turmkörper. Genau darin liegt die Stärke des Umbaus: Die zylindrische Architektur bleibt spürbar, während die Nutzung sich selbstverständlich einfügt. Man sieht Treppen, Fenster, Flächen und Öffnungen als Teile einer einzigen räumlichen Erzählung. Das ist zurückhaltend genug für den Alltag und präzise genug, um den Charakter des ehemaligen Wasserturms zu bewahren.
Die Projektangabe nennt zudem die Ausführung von Rohbau und Innenraumrealisierung sowie die fotografische Dokumentation. Für die Wahrnehmung der Räume ist das sichtbar zweitrangig, für die Lesbarkeit des Projekts aber hilfreich: Der Umbau setzt auf eine saubere Umsetzung der vorhandenen Geometrie, auf präzise Anschlüsse und auf ein Interieur, das die Struktur nicht überdeckt. Wer sich für Umbau und Umnutzung interessiert, findet hier ein Beispiel dafür, wie ein technischer Baukörper zu einem klar gegliederten Wohnhaus werden kann.
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