Architektonischer Stadtgarten mit Höhenunterschieden und vertikalem Grün
Auf 60 m² verdichtet sich hier ein stadtgarten zu klaren Linien, Stufen und Pflanzflächen. Die geraden Kanten beginnen am Haus und laufen in die Gartenfläche weiter, sodass der innen-aussen übergang schon an der Terrassenschwelle lesbar wird. Betonierte Sitzelemente und Stufen setzen einen festen Rahmen; davor liegen lockere Pflanzbeete mit mehreren Höhen und Blatttexturen. Der kleine Maßstab ist spürbar, aber nicht eng, weil die Fläche bewusst geführt wird.
Stadtgarten als räumlicher Ausgangspunkt
Die stärkste Bewegung entsteht dort, wo die Linie aus dem Wohnbereich nicht endet, sondern auf der Terrasse weiterläuft. Rechte Beläge, eine klare Kante und die gestreckte Achse zur Sitzzone ordnen den hintergarten in der stadt ohne ihn hart wirken zu lassen. Die große Glasöffnung an der Hausseite hält den Blick offen, während die Pflanzung am Rand weicher ansetzt. So entsteht ein Übergang, der mit Material und Richtung arbeitet, nicht mit dekorativen Übergängen.
Beton und Vegetation stehen dicht nebeneinander. Die Stufen und Sitzelemente bleiben ruhig und sachlich, die Beete dagegen schieben mit Blättern, Gräsern und aufrechter Struktur in den Raum. Gerade dieser Gegensatz gibt dem stadtgarten seine Kontur. Man liest sofort, wo gelaufen wird, wo man sitzt und wo die Pflanzen den Rand übernehmen. Nichts ist lose verteilt; die Flächen greifen ineinander und halten trotzdem Abstand.
Ein abgesenkter Garten, der größer wirkt als er ist
Der bewusste Höhensprung verändert die Wahrnehmung der gesamten Fläche. Weil der Garten abgesenkt ist, wirkt er tiefer und weiter, als es die 60 m² vermuten lassen. Von der Küche führen zwei Stufen hinunter in eine Sitzmulde, die wie ein kleines, geschütztes Zimmer im Freien funktioniert. Der Schritt nach unten ist nicht groß, aber deutlich genug, um den Raum zu gliedern. Genau darin liegt die Stärke dieses garten mit höhenunterschieden: wenige Zentimeter erzeugen eine neue Ordnung.
Die Sitzmulde als ruhiger Mittelpunkt
Die doppelte Absenkung von der Küche aus ist der präziseste Eingriff im Plan. Statt einer flachen Terrasse gibt es einen Ort, der leicht eingeholt wirkt. Die Betonkante fasst diesen Bereich ein, daneben steht ein runder Tisch, der den Grundriss bricht und den Platz besser nutzbar macht. Das Zusammenspiel aus gerader Linie und Kreis bleibt zurückhaltend, aber es verschiebt die Nutzung spürbar: Der Sitzbereich wirkt gesammelt, ohne abgeschlossen zu sein.
Auch die Wege sind darauf abgestimmt. Die Bewegungen sind kurz, die Übergänge klar, und trotzdem bleibt Raum zwischen Wand, Pflanze und Sitzplatz. Der Garten nutzt seine Tiefe statt seine Breite. Dadurch bekommt selbst ein kompaktes Grundstück eine Folge von Zonen, die man beim Durchqueren wahrnimmt: Schwelle, Abstieg, Sitzplatz, Pflanzrand. Der innen-aussen übergang wird so nicht nur sichtbar, sondern auch körperlich erfahrbar.
Vertikales Grün an Mauern statt harter Begrenzung
Die umgebenden Wände tragen eine vertikale bepflanzung an mauern, die die Begrenzung optisch auflöst. Statt einer harten Kontur zeigt sich eine Fläche aus Grün, die nach oben zieht und die Mauern in den Hintergrund rückt. Das funktioniert besonders gut in einem kleinen Garten, weil jede Wand sofort Gewicht bekommt. Hier verliert sie dieses Gewicht und wird Teil der Pflanzung. Die Grenze bleibt vorhanden, tritt aber zurück. Stadtgarten bleibt mit Grundriss, Materialität und Nutzung verbunden.
Vor den Wänden stehen strukturierte Pflanzbeete mit mehreren Ebenen. Niedriges Blattwerk, mittlere Stauden und höher wachsende Partien bilden eine gestaffelte Vorderkante, die den Raum dichter wirken lässt. Das Grün steht nicht nur am Rand; es arbeitet in Schichten. Gerade im Zusammenspiel mit den bakstenen beziehungsweise gemauerten Einfassungen entsteht eine kleine, geschlossene Gartenszene, die vom Haus aus gut lesbar bleibt. Die Vegetation ist dabei nicht Füllung, sondern ein eigenes räumliches Element.
Beete, Mauern und Sitzränder als präzise Setzung
Zwischen den festen Bauteilen und der Pflanzung liegt eine klare Arbeitsteilung. Die Mauern halten, die Betonflächen tragen, die Beete zeichnen weichere Kanten. Genau diese Aufteilung macht den Garten lesbar. Die Formen sind einfach, aber nie beliebig. Ein Sitzrand läuft entlang der Fläche, die Stufen folgen der Höhendifferenz, und die Pflanzung antwortet mit dicht gesetzten Gruppen statt mit einer durchgehenden Rabatte. So wirkt der Raum klein und doch vielschichtig.
Einige Bereiche sind wie kleine Inseln im Ganzen organisiert. Der runde Tisch setzt sich bewusst von den geraden Linien der Beläge ab, ohne sie zu stören. Die harte Kante des Betons trifft auf feinere Blätter und lockerere Sträucher. Diese Spannung hält den Garten in Bewegung, auch wenn seine Geometrie ruhig bleibt. Wer hier sitzt, blickt nicht in eine offene Fläche, sondern in eine Reihe von Fluchten, Kanten und Pflanzschichten.
Abends übernimmt das Licht die Führung
Mit Einbruch der Dunkelheit verändert sich die Wirkung deutlich. Die stimmungsvolle gartenbeleuchtung arbeitet mit warmen, diffusen Tönen, die Wege, Ränder und Blattwerk nur leicht anheben. Keine harte Ausleuchtung, sondern einzelne Lichtpunkte und weiche Flächen bestimmen den Eindruck. Zwischen den Pflanzen erscheinen leuchtende Zonen, die die Tiefe des Gartens betonen und die Mauern im Hintergrund zurücknehmen. Dadurch bleibt die Struktur auch am Abend nachvollziehbar.
Warme Akzente zwischen Blättern und Stufen
Besonders nah an den Pflanzen zeigt sich, wie das Licht den Raum fasst. Es liegt zwischen Stielen, über dem Belag und an den Rändern der Stufen. Die warmen Farbtöne holen die Blattmassen nach vorn und geben den höheren Bäumen und Sträuchern eine klare Rolle im Bild. Diese ausgewachsenen Pflanzen setzen Maßstab und Höhe, ohne den Garten zu überladen. Im Abendlicht bekommt der kleine Außenraum eine zweite Lesart: ruhiger, dichter und stärker auf Lichtkanten aufgebaut.
Auch die großen Glasflächen am Haus profitieren davon. Sie spiegeln das Licht, öffnen die Sicht in den Garten und halten die Verbindung zwischen Innenraum und Außenraum präsent. So endet der Tag nicht an der Schwelle. Der Blick wandert von den beleuchteten Beeten über die Stufen bis zu den Wänden mit Grün, und die kompakte Fläche gewinnt genau dort an Tiefe, wo sie am kleinsten ist. Der stadtgarten lebt von dieser Abfolge, nicht von Überfluss.
Die Anlage zeigt, wie wenig Fläche es braucht, wenn Höhen, Linien und Pflanzung sauber aufeinander reagieren. Die 60 m² werden nicht als Restfläche behandelt, sondern als präzise gefasster Raum mit Sitzmulde, Randzonen und vertikalem Grün. Tagsüber dominiert die klare Geometrie, abends das warme Licht zwischen den Blättern. Dazwischen liegt ein Hintergarten in der Stadt, der seine Größe nicht ausdehnt, sondern über Schichten und Blickführung spürbar macht. Stadtgarten bleibt mit Grundriss, Materialität und Nutzung verbunden.
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