Restaurierung eines historischen Stadthauses
Die hohe Fassadenordnung fällt sofort auf: schmale Fensterachsen, helle Putzflächen und ein Dach aus rotbraunen Ziegeln setzen den Ton für die Restaurierung historisches Stadthaus. Im Inneren setzt sich diese Ruhe nicht als Dekor fort, sondern als klare Folge von Durchgängen, Stuckkanten und breiten Öffnungen. Das Gebäude wurde in seinem Bestand nicht einfach geglättet. Es wurde so gelesen, wie es sich über Jahrzehnte verändert hatte, und wieder auf seine ursprünglichen Proportionen zurückgeführt.
Fassade mit klaren Achsen und alten Eingriffen im Blick
Die Außenansicht zeigt ein Haus, das mehrere Umbauten hinter sich hat. Trotzdem bleibt die alte Ordnung sichtbar: die Gliederung der Fenster, die Mischung aus Mauerwerk und verputzten Flächen sowie die geschlossene Dachform geben dem Baukörper eine strenge Silhouette. Genau dort setzt die Restaurierung historisches Stadthaus an. Nicht als Rekonstruktion eines idealen Zustands, sondern als Rückführung auf jene Maße, die das Haus wieder lesbar machen. Das ist bei einem denkmalgeschützten Haus vor allem eine Frage von Maß und Rhythmus.
Die Herangehensweise bleibt sachlich. 1777 entstand die heutige Wohnform für eine adlige Bauherrschaft; auf dem Grundstück stand zuvor ein bischöfliches Palais. Solche Schichten verschwinden nicht, wenn ein Haus restauriert wird. Sie bleiben in den Wänden, an den Öffnungen und in den Proportionen spürbar. In diesem Restaurierungsprojekt geht es deshalb nicht nur um Oberfläche, sondern um die Rückgewinnung einer räumlichen Ordnung, die im Lauf der Zeit überlagert worden war.
Klassisches Interieur mit Stuck, hohen Türen und weiten Blicken
Im Inneren prägen Stuckprofile, hohe Zargen und ruhige Wandflächen das Bild. Die Räume wirken nicht ausgestellt, sondern gefasst. Ein klassisches Interieur braucht keine lauten Gesten, wenn die Linien stimmen: Deckenleisten nehmen die Höhe auf, Türrahmen strecken die Wände, und die Öffnungen geben den Blick von Zimmer zu Zimmer frei. In diesem Haus wird die Restaurierung historisches Stadthaus über solche Details spürbar. Das Auge bleibt an den Kanten hängen, an den Übergängen zwischen Putz, Holz und Glas.
Besonders deutlich wird das an den großen Fenstern. Sie holen viel Licht in die Zimmer und öffnen den Blick in den Garten. Das Grün liegt nicht dekorativ am Rand, sondern wird Teil der Raumwirkung. Wer durch die Räume geht, erlebt kurze Drehungen und lange Sichtlinien zugleich. Genau diese Wechsel zwischen engeren Passagen und offenen Zimmern geben dem Haus seine Spannung. Die geplante Nutzung als büro zu wohnen bleibt dabei als Möglichkeit mitgedacht, ohne die vorhandene Struktur zu überformen.
Raumfolgen statt Einzelräume
Die Innenräume sind so angelegt, dass man nicht in einem einzigen Blick alles erfasst. Eine Schwelle, eine Türlaibung, ein weiterer heller Raum dahinter: Diese Abfolge ist wichtiger als ein einzelnes Möbelstück. Wo das Licht auf die Wände fällt, treten die Profile der Rahmen und die flachen Felder der Paneele hervor. Das klassische Interieur lebt hier von Tiefe. Selbst die einfachen Oberflächen gewinnen durch das Zusammenspiel von Schatten und hellem Tageslicht eine deutliche Kontur.
Spindeltreppe, Vide und die Mitte des Hauses
Die Spindeltreppe bildet den stärksten räumlichen Einschnitt. Ihre dunklen Stufen drehen sich um eine offene Mitte, über der ein runder Luftraum liegt. Von oben wirkt die Konstruktion fast zeichnerisch, unten führt sie den Blick nach oben. Eine solche Spindeltreppe ist mehr als ein Verbindungselement. Sie ordnet das Haus. In der Restaurierung historisches Stadthaus wird daraus ein zentrales Bild: Stahlgeländer, offene Rundung und ein Treppenauge, das Licht in die Tiefe zieht.
Auch die Durchgänge greifen diese Sprache auf. Klassische Pilaster, gewölbte Öffnungen und ein ruhiger Boden aus Natursteinoptik begleiten den Weg durch das Haus. Nichts wirkt überladen, obwohl die Räume repräsentativ bleiben. In einem denkmalgeschützten Haus ist gerade dieses Maß entscheidend: Die Details dürfen sichtbar sein, ohne den Raum zu verstellen. Das Haus zeigt damit, wie eine Herrenhaus-Restaurierung den Bestand respektiert und ihn zugleich wieder nutzbar macht.
Von der Treppe zum Garten
Zwischen Innenraum und Außenraum liegt hier kein harter Schnitt. Die großen Fensterflächen bringen die Baumkronen und das Grün direkt an die Wand. Besonders in den Zimmern mit den hellen Vorhängen und den schweren Kronleuchtern entsteht ein ruhiger Wechsel aus Reflexion und Ausblick. Der Garten bleibt nicht fern, sondern sitzt im Blickfeld. Genau dieser Gartenblick gibt den Räumen Orientierung und nimmt der Tiefe des Hauses etwas von ihrer Strenge.
Ein Büro mit Option auf Wohnen
Aktuell wird das Gebäude als Büro genutzt. Die Pläne sahen jedoch vor, es mit Anpassungen auch zu einer Wohnnutzung umzuformen. Dieser Gedanke bleibt eng an die vorhandene Struktur gebunden. Denn die Räume besitzen bereits Eigenschaften, die beide Nutzungen tragen können: hohe Decken, klare Achsen, großzügige Fenster und eine Abfolge von Zimmern, die sich nicht gegenseitig bedrängen. Die Restaurierung historisches Stadthaus setzt genau dort an, wo Büro und Wohnen sich begegnen, ohne die Substanz zu verleugnen.
Das Grundstück mit Haus und Garten umfasst 1.113 m². Diese Größe ist im Inneren nicht als Weite im abstrakten Sinn spürbar, sondern in der Verteilung der Zimmer, in den Übergängen und in den Blicken nach außen. Die ehemalige Herrenwohnung hatte im Laufe der Zeit verschiedene Veränderungen erfahren. Umso wichtiger war es, die ursprünglichen Proportionen wieder zu lesen. Nicht als romantische Rückblende, sondern als präzise bauliche Aufgabe im Bestand.
Licht, Oberflächen und repräsentative Details
Ein Kristalllüster setzt im Ensemble der Räume einen deutlichen Akzent. Das Licht bricht sich an den Glasanhängern und fällt auf Stuck, Putz und die hellen Wandflächen darunter. Daneben stehen dekorative Felder, Nischen und fein gerahmte Öffnungen, die dem Haus seine klassische Haltung lassen. Solche Elemente wirken nur dann überzeugend, wenn sie nicht isoliert auftreten. In diesem Projekt sind sie in die Raumfolge eingebunden und folgen der Struktur des Hauses statt ihr zu widersprechen.
Die Materialität bleibt lesbar: Backstein, Putz, Holz, Glas und Stein treten nicht als Gegensatzpaar auf, sondern als Schichten eines Hauses, das sorgfältig wieder zusammengesetzt wurde. Auf den Fotos zeigt sich das in der Kombination aus glatten Wandflächen, profilierten Rahmen und den schweren Oberflächen der Böden. Gerade im Zusammenspiel mit dem Tageslicht wird sichtbar, wie weit eine Restaurierung historisches Stadthaus gehen kann, ohne die Geschichte des Hauses in eine Kulisse zu verwandeln.
Fotografie: Glenn Reynaert, Hendrik Bliegs
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