Altbausanierung mit nachhaltiger Modernisierung und Charaktererhalt
Die Altbausanierung beginnt hier nicht mit einem großen Gestus, sondern mit Materialschichten: Vorwanddämmung hinter den Wänden, HR++ Sonnenschutzverglasung in den Fenstern und eine Haustechnik, die Wärmepumpe und PV zusammenführt. So wurde das Haus aus dem späten 19. Jahrhundert vom Gas gelöst, ohne die vertraute Gliederung aufzugeben. Der Grundriss mit schmalem und breitem Baukörper blieb erhalten, ebenso die ruhige Abfolge der Räume. Genau daraus gewinnt das Projekt seine Spannung: energetisch sanieren, ohne den Bestand glattzubügeln.
Die Eingangshalle bleibt großzügig, obwohl Stauraum verschwindet
Schon im Entrée zeigt sich, wie präzise in die vorhandene Struktur eingegriffen wurde. Der Boden mit marmorierter Oberfläche zieht den Blick nach innen, die Wände wirken hell und zurückhaltend, und neben der Treppe bleibt die Laufzone frei. Dort, wo sonst ein Garderobenmöbel Platz beanspruchen würde, wurde der Zugang zum Einbauschrank aus dem Wohnbereich über die Halle erschlossen. So bleibt die Bewegung im Haus offen, ohne dass ein neuer Schrankkörper den Übergang verengt. Diese Lösung gehört zu den stillen Stärken der Altbausanierung: Sie ordnet, ohne zu behaupten.
Modern klassisches Interieur zwischen Stahl, Glas und Stuck
Der Übergang zur Ess- und Küchenzone ist mit Stahl-Glas-Elementen gefasst. Das wirkt leicht, aber nicht beliebig; die Konstruktion markiert den Wechsel zwischen Bestand und neuer Zone sehr klar. In der vorderen Stube wurden die historischen Details wieder sichtbar gemacht, allen voran das Gips-Sierplafond, das den Raum höher und ruhiger erscheinen lässt. Hier trägt das modern klassisches Interieur seinen Charakter nicht über Dekor, sondern über Proportion, Kante und Licht. Der Kontrast bleibt lesbar, weil keine Schicht die andere überdeckt.
Ein Glas-Anbau öffnet den Blick in den Garten
Den stärksten Bruch setzt der Glas-Anbau an der Rückseite. Seine transparente Fassade schiebt die Gartenansicht direkt an den Essbereich heran, sodass Innen und Außen fast dieselbe Blicktiefe bekommen. Im Bildmaterial wirkt dieser Teil des Hauses wie ein heller, zurückhaltender Rahmen für Alltag und Bewegung: Türen, Deckenlinien und Glasflächen überlassen dem Außenraum die Hauptrolle. Von der Esszone aus wird deutlich, wie die neue Erweiterung den Bestand nicht verdrängt, sondern ergänzt. Genau dort wird nachhaltig sanieren auch räumlich lesbar.
Die Rückseite soll sich künftig noch stärker mit der Vegetation verzahnen. Ein Stahlrahmen entlang des Boeiboords nimmt eine Kletterpflanze auf, die die Fläche nach und nach begrünen wird. Das ist kein lautes Gestaltungssignal, sondern eine einfache Geste, die die Fassade mit dem Garten verbindet. Gleichzeitig tritt der moderne Eingriff von außen zurück. Aus dem Außenraum betrachtet bleibt die neue Zone damit leichter lesbar, weil die Bepflanzung die harten Kanten des Glas-Anbaus allmählich mildert.
Die Küche setzt auf klare Linien und ruhige Flächen
In der Küche dominiert eine handwerklich präzise Möblierung aus Holz mit durchlaufenden Fronten. Das lange Arbeitsband trägt Spüle und Armatur, darüber sitzen punktuelle Leuchten, die die Fläche nicht inszenieren, sondern brauchbar machen. Die Schränke wirken kompakt, die Linien bleiben gerade, und die Materialwahl hält sich bewusst zurück. Gerade im Zusammenspiel mit den Stahl-Glas-Elementen nebenan entsteht daraus ein modern klassisches Interieur, das nicht auf Effekt baut, sondern auf Lesbarkeit. Die Küche ist damit Teil der Altbausanierung, nicht bloß ein Einbau im Bestand.
Auch die Wegführung funktioniert über Details statt über große Umbrüche. Von der Halle in die Esszone, weiter zur Küche und dann zum Glas-Anbau bleibt die Abfolge nachvollziehbar. Die Blickachsen enden nicht an Wänden, sondern an Glas, Garten und hellen Oberflächen. Das Haus wirkt dadurch größer, ohne seine alte Struktur zu verlieren. Wer in der Küche steht, sieht die Rückseite, das Licht und die Übergänge zwischen den Räumen zugleich. Genau dieses Zusammenspiel trägt die gesamte Innenarchitektur.
Historische Details erhalten heißt hier: sichtbar reparieren
Im vorderen Raum wurden die historischen Details nicht nur bewahrt, sondern wieder deutlich lesbar gemacht. Die Stuckdecke bildet den ruhigsten Punkt des Hauses; darunter treten Fensterrahmen, Wandflächen und die alten Proportionen zurückhaltend auf. Das ist eine andere Form von nachhaltigem Planen: vorhandene Elemente weiter nutzen, statt sie zu ersetzen. Die Altbausanierung arbeitet mit dem, was bereits da ist, und ergänzt nur dort, wo Energie, Licht oder Nutzung es verlangen. So bleibt die Atmosphäre des Bestands im Raum, ohne museal zu werden.
Die traditionellen Bezüge des Hauses sind auch im Umgang mit den Oberflächen spürbar. Die große Diele mit steiniger Anmutung, die Treppe mit Holzhandlauf und dunklen Stäben, die hellen Wandflächen und die präzisen Übergänge zwischen Tür und Wand: Alles wirkt aufgeräumt, aber nicht steril. Selbst dort, wo neue Bauteile eingesetzt wurden, bleibt die Haptik ruhig. Das Haus erzählt nicht von einer vollständigen Neuerfindung, sondern von einer sorgfältig gesetzten Altbausanierung, die den Bestand ernst nimmt und die Eingriffe sichtbar begrenzt.
Wärmepumpe und PV als Teil der Planung, nicht als Zusatz
Die technische Erneuerung ist kein Anhang zum Entwurf, sondern Teil der räumlichen Entscheidung. Mit Vorwanddämmung, HR++ Sonnenschutzverglasung, Wärmepumpe und PV wurde die Basis geschaffen, das Haus ohne Gas zu betreiben. Diese Maßnahmen bleiben im Hintergrund, aber sie verändern den Spielraum der Architektur deutlich. Fensterflächen können großzügiger wirken, weil die Verglasung energetisch mitgedacht ist. Wände erhalten eine neue Tiefe. Und der Entwurf muss nicht zwischen äußerer Wirkung und technischer Vernunft wählen.
Gerade deshalb ist das Projekt mehr als eine reine Haussanierung. Es zeigt, wie energetisch sanieren und Gestaltung ineinandergreifen können, wenn der Bestand nicht als Hindernis, sondern als Ausgangspunkt behandelt wird. Die neuen Elemente sind klar ablesbar: Glas, Stahl, Holz, Steinoptik. Die alten bleiben ebenso präsent: das Entrée, die Gliederung des Hauses, das gipsierte Deckenbild. Aus dieser Gegenüberstellung entsteht kein Effekt um des Effekts willen, sondern ein Haus, das seine Geschichte trägt und zugleich einen anderen technischen Alltag erlaubt.
Fotografie: Valentina Buonanno
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