Historisches Haus, modern wohnen
Die erste Bewegung im Haus sitzt an der runden Tafel in der Küche: morgens wird hier gemeinsam gefrühstückt, verschoben auf Rollen, wenn mehr Platz gebraucht wird. Rundherum treffen geprofilete Türen, helle Wandflächen und dunkle Möbelfronten aufeinander. Genau dieser Wechsel aus klassischem Bestand und neuen Eingriffen prägt das Bild. Aus einer einst eher distanzierten Villa ist ein warmes Familienhaus geworden, in dem Alltag, Spiel und Musik denselben Raum bekommen.
Klassische Profile, die den Ton vorgeben
Schon im Eingang zeigt sich das historische Haus modern wohnen nicht über große Gesten, sondern über Details. Weiße Deckenleisten, geteilte Paneeltüren und eine große gerahmte Spiegelfläche setzen klare Linien, ohne den Raum zu beschweren. Das Licht fällt dabei auf Holzfußboden und glatte Wandflächen, während dunklere Öffnungen den Blick weiterziehen. Die klassischen Zierleisten und das moderne Interieur stehen nicht nebeneinander als Konzept, sondern als sichtbare Schichten, die den Weg durch das Haus markieren.
In mehreren Räumen bleiben die ursprünglichen Proportionen spürbar. Schiebetüren trennen die angrenzende Wohnzone von der Küche, lassen den Übergang aber lesbar. Die Wände nehmen Farbe auf, statt alles neutral zu halten: ein altrosa Ton weicht die Strenge der vorhandenen Architektur auf, ohne die Profile zu verdecken. Genau dort gewinnt das warme Familienhaus seine Wirkung, weil der Bestand nicht kaschiert wird, sondern mit neuen Flächen in Gespräch bleibt.
Die Küche als täglicher Mittelpunkt
Die Küche ist der ruhigste Ort des Hauses und zugleich der aktivste. Der runde Küchentisch steht so, dass jeder einen Platz findet, und seine Rollen geben ihm eine praktische Leichtigkeit. In der Nische sitzt eine maßgefertigte Bank mit farbigen Kissen, die den Raum nicht dekoriert, sondern nutzbar macht. Auf der anderen Seite stehen Stühle mit abwaschbarem Stoff, der die Bewegungen eines Familienfrühstücks mitträgt. Die dunklen Fronten und die hellen Wände halten sich gegenseitig in Schach.
Auch in der Küchengestaltung mit Charakter bleibt das Haus seiner Geschichte treu. Eine breite Pendelleuchte hängt über dem Arbeits- und Essbereich, daneben öffnen hohe Fenster mit Vorhängen den Blick ins Grün. Das Tageslicht trifft auf die Oberflächen und nimmt den Kontrast zwischen dunklen Schränken, weißen Wandpartien und dem Holz des Bodens auf. So wirkt die Küche nicht repräsentativ, sondern bewohnt. Genau dort wird sichtbar, wie ein historisches Haus modern wohnen kann, ohne seine Haltung zu verlieren.
Schiebetüren, Nische und Blickachsen
Die ursprünglichen Schiebetüren machen mehr als trennen. Sie halten die Küche und den angrenzenden Wohnraum miteinander verbunden, auch wenn die Zimmer ihre eigene Funktion behalten. Der Blick wandert von der Nische mit Kissen über den runden Tisch bis zu den Fenstern. Das ist eine kurze Strecke, aber sie erklärt das Haus gut: keine harte Abfolge von Räumen, sondern mehrere Zonen, die sich mit Möbeln, Öffnungen und Maßarbeit gegenseitig stützen.
Der Wohnbereich neben der Küche setzt auf einen anderen Takt. Statt einer einheitlichen Fläche gibt es eine alte Wandfarbe, die das Historische beruhigt, und zwei moderne Wingback-Sessel, die das Bild brechen. Auf einer anderen Wandfläche taucht auffällige Statement-Tapete auf, dort mit dichtem Muster und viel Präsenz. Solche Eingriffe machen das historische Haus modern wohnen lesbar, weil sie nicht verstecken, was neu ist. Sie markieren es offen und lassen die alten Profile trotzdem weiterarbeiten.
Altrosa, Dunkelblau und tiefe Kontraste
Die Farbwahl zieht sich als leiser Faden durch das Haus. Altrosa nimmt den Räumen die Schwere, während dunklere Flächen Tiefe geben. Besonders deutlich wird das in den Zimmern mit dunklen Akzentwänden: Sie fassen Bilder, Möbel und Wandstruktur zusammen, statt nur als Hintergrund zu dienen. In der Elternsuite trifft ein tiefschwarzes, gröberes Grasgewebe auf klassische Details und moderne Leuchten. Das Ergebnis ist kein lauter Bruch, sondern eine präzise Gegenüberstellung von Oberfläche und Linie.
Das Bett bekommt dabei eine eigene Präsenz. Ein Kopfteil nimmt Farbe und Struktur der Wandmalereien auf, darüber liegt eine satinierte Tagesdecke aus eigener Gestaltung. Der Raum zeigt damit eine andere Seite des warmen Familienhauses: weniger offen, mehr konzentriert. Das historische Haus modern wohnen funktioniert hier über Materialwechsel und über den Kontrast zwischen ornamentalen Resten und klaren, heutigen Formen. Gerade diese Spannung hält den Raum ruhig, ohne ihn glatt zu machen.
Ein Kinderzimmer im Wintergarten
Die 1930 angebaute Serre hat heute eine andere Aufgabe. Sie wird als Musik- und Kinderzimmer genutzt und nutzt ihre Helligkeit für Spiel und Bewegung. Große Fensterflächen holen den Garten in den Raum, Vorhänge dämpfen das Licht, wenn es gebraucht wird. Als Kinderzimmer im Wintergarten zeigt dieser Bereich, wie flexibel das Haus auf Familienleben reagiert. Instrumente, Spielzeug und Bewegung finden dort Platz, ohne die historische Struktur der Villa zu verdrängen.
Auch die übrigen Kinderzimmer sind individuell eingerichtet, jedes mit eigener Stimmung und eigenem Grundriss. Das Zimmer der jüngsten Tochter fällt durch die hohe Decke auf. Die Tapete mit Blättern von Bäumen zieht den Blick nach oben und nutzt genau diese Höhe. Es ist ein gutes Beispiel dafür, wie das historische Haus modern wohnen nicht über ein einheitliches Thema organisiert, sondern über Räume mit eigener Sprache. Das macht den Rundgang durch das Haus abwechslungsreich und lesbar zugleich.
Raum für Lärm, Spiel und lange Abende
Die Bewohner beschreiben, dass das Haus die Familie näher zusammengebracht hat. Das merkt man an den Übergängen zwischen Kochen, Sitzen und Spielen. Nichts wirkt abgekoppelt. Selbst die großen Proportionen bleiben zugänglich, weil Möbel, Vorhänge und farbige Polster den Maßstab herunterholen. In den Fenstern stehen blau-weiße Vasen, im Erdgeschoss liegen Teppiche auf Holz, und im Bild der Wohnräume wiederholt sich immer wieder derselbe Gedanke: ein historisch geprägter Rahmen, der bewusst für Alltag geöffnet wurde.
Auch außen lässt sich der Bestand ablesen, ohne dass er den Innenraum übertönt. Die Ziegelwand, die runde, weiß eingefasste Ausbuchtung und das Grün rund um das Haus geben dem Ensemble eine klare Silhouette. Innen aber bleibt das eigentliche Thema unverändert: ein historisches Haus modern wohnen, mit Klassik im Detail und Gegenwart in der Nutzung. Gerade weil die Räume Spiel, Musik und Familienroutinen aufnehmen, wirkt das Haus nicht museal. Es lebt von Bewegung, von offenen Türen und von Oberflächen, die benutzt werden dürfen.
Fotografie: Carin Verbruggen und Ferry Drenthem Soesman
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