Haus renovieren und erweitern: klassisches Interieur und Indoor-Spa mit 15,5-m-Innenpool
Schon im Eingangsbereich prallen zwei Lesarten des Hauses aufeinander: weiße Wandfelder mit feinen Profilen und daneben eine klare, neue Geometrie. Genau aus diesem Spannungsfeld entstand die Renovierung und Erweiterung des Hauses, nachdem der Innenraum bereits weitgehend entkernt war. Vieles musste noch einmal neu gedacht und neu gebaut werden. Nur Fundament und Schwimmbecken blieben bestehen; der restliche Hinterbau wurde erneut abgebrochen und in eine andere Ordnung gebracht.
Eine Hertekening nach dem Entkernen
Der Ausgangspunkt war ungewöhnlich: Das Herrenhaus war innen bereits abgetragen, die ersten Rohbauarbeiten lagen schon hinter dem Projekt, als die Planung erneut überarbeitet wurde. Statt den begonnenen Zustand fortzuschreiben, setzte die neue Entwurfsphase noch einmal bei den Strukturen an. Das betraf vor allem die Rückseite des Hauses, die mit klaren Linien und großen Öffnungen neu aufgebaut wurde. So entstand eine Renovierung und Erweiterung, die nicht aus dem Bestand heraus poliert wurde, sondern aus einer drastisch veränderten Baustelle heraus wieder Profil gewann.
Diese Vorgehensweise erklärt auch, warum im Inneren nicht nur Oberflächen, sondern ganze Raumfolgen neu gefasst wurden. Das Projekt folgt keinem dekorativen Überzug. Es verbindet neue bauliche Eingriffe mit den sichtbaren Spuren des klassischen Hauses, das zuvor bereits an Wirkung verloren hatte. Der Aufwand steckt deshalb ebenso in den Wänden und Decken wie in den Übergängen zwischen den Geschossen.
Zierleisten, Ornamenten und die wieder gefundene Halle
Ein Teil der ursprünglichen Ausstrahlung wurde über neue Ornamente zurückgeholt: an den Wänden, an den Decken und rund um die Innentüren. Diese Eingriffe sind nicht laut, aber sie verändern den Raum, weil sie Kanten, Felder und Proportionen neu lesbar machen. Dazu kommt die monumentale Treppe in der Halle, die kopiert wurde, sodass sie wirkt, als habe sie von Anfang an auch das zweite Obergeschoss erschlossen. Die Treppe mit Holzstufen und schmiedeeiserner Balustrade ist mehr als ein Durchgang; sie ordnet den Blick und hält die vertikale Bewegung des Hauses zusammen.
In den repräsentativen Räumen stehen diese klassischen Elemente im Kontrast zu glatten Wandflächen und einer ruhigeren, strengeren Architektur. Gerade die Mouluren und Zierleisten geben den Zimmern Kontur, ohne die Räume zu beschweren. Das klassische Interieur mit Zierleisten zeigt sich hier nicht als historisches Zitat, sondern als präzise gesetzte Schicht, die auf den neuen Baukörper reagiert.
Die Hallentreppe als sichtbare Achse
Im Erdgeschoss beginnt die Abfolge mit der Halle, dann folgt die Treppe und danach öffnen sich die Räume in größerer Helligkeit. Diese Bewegung ist wichtig, weil sie den Übergang vom ornamentierten Vorderteil zur deutlich nüchterneren Rückseite vorbereitet. Die Treppe bleibt dabei das verbindende Motiv. Ihre Proportionen und das dunkle Schmiedeeisen geben der Halle Gewicht, während helle Wandfelder und profilierte Sockel die klassische Sprache weitertragen.
Große Glasflächen für Tageslicht in Küche und Wohnraum
Die neue Rückseite setzt auf große Glasflächen für Tageslicht. In Küche und Living ragen die minimalen Fenster mit einer Höhe von 3,80 Metern fast wie ein durchgehender Rahmen nach außen. Das Licht kommt nicht in einzelnen Punkten ins Haus, sondern fällt tief in die Räume und zieht sich über die Bodenflächen bis an die Wandkanten. Genau dort liegt der stärkste Kontrast des Projekts: klassisches Interieur mit Zierleisten vorne, klare, fast zurückgenommene Konstruktion hinten.
Auch die Materialwirkung verändert sich durch die Fensterfronten. Naturstein, Holz und helle Wandflächen werden nicht isoliert gezeigt, sondern stehen in Beziehung zu Garten und Terrasse. Die Küche und der Wohnbereich profitieren von der langen Blickachse nach draußen. Dadurch wirkt die Renovierung und Erweiterung des Hauses nicht wie eine Aneinanderreihung von Zimmern, sondern wie eine Folge von Räumen, die über Licht und Öffnungen miteinander verbunden sind.
Ein Spa im Untergeschoss, das Licht von oben braucht
Auf Ebene -1 liegt die am stärksten spezialisierte Zone des Hauses: ein kompletter Spa mit einem 15,5 Meter langen Innenpool, Sauna, Massageraum und Fitness. Damit dieser Bereich nicht abgeschottet wirkt, wurde die Decke darüber mit vier großen Lichtbändern geöffnet, die in die Terrassenfläche eingreifen. Das Wasser liegt dadurch nicht in einem dunklen Untergeschoss, sondern in einem Raum, der Tageslicht von oben aufnimmt und in Reflexe auf der Oberfläche übersetzt.
Besonders deutlich wird das an der Verbindung zur Außenanlage. Durch die abgesenkte Geländeführung scheint man direkt in den Garten zu schwimmen. Große Glasflächen an der Seite verstärken diesen Eindruck und holen den Blick ins Freie. Die Fitness- und Mehrzweckzone erhält so eine bessere Beziehung zum Außenraum, ohne dass der Spa seinen eigenen, geschützten Charakter verliert. Die Lichtbänder über Terrasse und Pool sind dabei nicht nur technisch, sondern räumlich entscheidend.
Pool, Sauna und Fitness unter einer gedeckelten Terrasse
Die vier Lichtöffnungen sind in die darüberliegende Terrasse integriert. Das macht die Konstruktion lesbar: oben eine harte Fläche, darunter Wasser, Glas und reflektierende Oberflächen. Der Innenpool 15,5 m lang zieht den Raum in die Länge, während die Sauna und die Massageräume als ruhigere Nebenräume anschließen. So entsteht im Untergeschoss ein klar gegliederter Wellnessbereich mit eigener Tageslichtführung.
Master Bedroom mit Ankleide auf der ersten Etage
Das gesamte erste Obergeschoss wurde als Master Bedroom mit Ankleide, Bad und Büro organisiert. Die Raumfolge ist offen genug, um Schlafen, Anziehen und Arbeiten nicht zu trennen wie in einem klassischen Hotelgrundriss, aber klar genug, um jede Funktion an ihrem Platz zu halten. Die Ankleide liegt dabei nicht als Randnotiz im Raum, sondern als Teil eines zusammenhängenden privaten Bereichs. Ergänzt wird das Geschoss durch eine zusätzliche Fläche, die als weiteres Zimmer oder Büro genutzt werden kann.
Auf den Fotos zeigt sich diese Ebene über ruhige Wandflächen, Holz und präzise eingebaute Möbel. Nischen, Paneele und maßgefertigte Schränke nehmen den Alltag auf, ohne die Höhe des Hauses zu verkürzen. Der Master Bedroom mit Ankleide bekommt so eine eigene, eher zurückhaltende Präsenz. Hier stehen nicht große Gesten im Vordergrund, sondern die Abfolge von Tür, Wand, Schrank und Blickachse.
Vier Zimmer unter dem restaurierten Dach
Im zweiten Obergeschoss liegen vier weitere Zimmer mit zugehörigen Bädern. Damit ist das Haus im oberen Bereich klar aufgeteilt: eine private Hauptetage darunter und darüber mehrere kompaktere Räume mit eigener Sanitärausstattung. Diese Verteilung nutzt die Höhe des Hauses bis in die oberste Ebene und hält zugleich die Wege kurz. Die Zimmer bleiben unterschiedlich nutzbar, weil die Grundstruktur nicht auf ein einzelnes Szenario festgelegt ist.
Auch hier bleibt das klassische Interieur sichtbar, vor allem in den Kanten der Wände und den Proportionen der Öffnungen. Die neuen Bäder reagieren mit Stein, Glas und ruhigen Flächen auf den Bestand. Das Ergebnis ist kein demonstrativer Luxusboden, sondern eine präzise Wohnaufteilung, in der jede Etage eine andere Aufgabe übernimmt.
Die Fassade bleibt ruhig, die Einfahrt wird unauffällig verbreitert
Die Vorderfassade wurde in ihrem ursprünglichen Zustand restauriert. Von außen wirkt das Haus damit wieder geschlossen und in seinen klassischen Proportionen lesbar. Eingriffe bleiben zurückhaltend, auch bei der Einfahrt: Das Tor wurde unauffällig verbreitert, damit ein Auto einfahren kann, ohne die Haltung des Straßenbilds sichtbar zu stören. Diese Zurücknahme an der Front schärft den Gegensatz zur offenen, lichtdurchfluteten Rückseite.
So verbindet die Renovierung und Erweiterung des Hauses zwei sehr unterschiedliche Seiten: eine restaurierte, repräsentative Vorderseite und einen großzügig geöffneten Rücken mit großen Glasflächen und lichtdurchlässigen Einschnitten. Dazwischen liegen Räume, die durch Ornament, Treppe, Wasser und Tageslicht zusammengehalten werden. Gerade diese Abfolge macht das Projekt lesbar.
Foto’s © Annick Vernimmen
Want to see more of JUMA architects? View the page of JUMA architects for even more great projects and company information.







