Jahre-zwanziger Villa mit Ornamenttapete und Wohnküche
Blaues Ornamenttapeten-Motiv an der Wand, große Fensterflächen daneben und darunter ein hölzerner Tisch: Im Ornamenttapete Wohnzimmer der Villa verschiebt sich der Blick sofort auf Material und Rhythmus. Die Wand nimmt die Härte der weißen Flächen zurück, während das Muster die langen Linien im Raum bricht. Genau dort setzt die Überarbeitung an. Die Jahre-zwanziger Villa Innenraum behält ihre vorhandenen Elemente, bekommt aber in Küche, Flur und Wohnbereichen eine andere Reihenfolge und mehr Gewicht im Alltag.
Die Küche rückt näher an den Tisch
Am Anfang stand ein Raum, der zu glatt wirkte. Die Küche war weiß, fast steril, und die Akustik trug jedes Geräusch weiter. Behang wurde hier als Lösung eingesetzt, weil er die Fläche weicher wirken lässt und zugleich die Wahrnehmung des Raums verändert. Die bestehende Küche blieb erhalten, ebenso das Kochfeld und das Inselmöbel. Nur das Inselstück wurde einige Meter verschoben. Dadurch entstand Platz für einen größeren Esstisch, und Kochen und Essen liegen nun in einer einzigen Raumfolge.
Entscheidend ist nicht nur die neue Distanz zwischen den Möbeln, sondern der Weg dazwischen. Wo vorher die Küche den Raum blockierte, öffnet sich jetzt eine Zone für Stühle, Teller und Gespräche. Der Tisch musste mithalten, ohne die Achsen zu stören. Die Lösung ist ein handgefertigter ovaler Tisch aus Kopsholz. Seine Form nimmt die Strenge der rechteckigen Fronten auf und setzt genau dort ein Gegenstück, wo die rechten Winkel im Haus überwiegen.
Ein ovaler Tisch als ruhiger Mittelpunkt
Die alte weiße, rechteckige Tischplatte wich einer handgefertigten Oberfläche mit sichtbarer Holzstruktur. Kopsholz bringt ein anderes Lesen auf die Fläche: nicht glatt und anonym, sondern mit Kante und Tiefe. Die ovale Form mildert den Übergang zwischen Küche und Essplatz, ohne sich in den Vordergrund zu drängen. Um ihn herum lässt sich das Mobiliar flexibler stellen, was in einem Familienraum sofort spürbar wird. Der größere Tisch schafft einfach mehr Luft zwischen den einzelnen Funktionen.
Auch die Sitzmöbel wurden neu ins Bild gesetzt. Vertraute Stühle aus dem Bestand erhielten eine neue Polsterung und stehen jetzt nicht wie zurückgelassene Einzelstücke da, sondern als bewusst wiederverwendete Teile des Interieurs. Im Kontext der Projekte mit wiederverwendeten Möbeln zählt genau das: ein vorhandenes Objekt bleibt lesbar, aber seine Oberfläche verändert den Ton des Raums. So entsteht kein Museumsstück, sondern ein Nutzgegenstand mit einem zweiten Kapitel.
Rote Leinenvorhänge und neue Übergänge
Die Stoffe tragen die Veränderung mit. Statt der bisherigen weißen Gardinen hängen nun rote Leinenvorhänge am Fenster. Das Material wirkt trockener und dichter, der Ton setzt einen klaren Akzent gegen Wand und Holz. In den Ess- und Wohnbereichen verdichten die Vorhänge die Fensterwand, ohne das Tageslicht zu verschlucken. Von außen betrachtet bleibt der Blick auf Grün und auf die hohen Öffnungen bestehen; innen bekommt der Raum mehr Tiefe, weil die Farbe die Ränder markiert.
Im Flur taucht die dekorative Sprache in anderer Form wieder auf. Für die Art-Déco-Tapete im Flur war das Glasfenster in der Toilette der Ausgangspunkt. Das Muster nimmt den geometrischen Charakter auf, bleibt aber an der Wand ruhig genug, um die Bewegung durch den Raum zu begleiten. So entsteht eine Verbindung zwischen Nebenraum und Hauptzonen, nicht über große Gesten, sondern über eine wiederkehrende Linie im Muster und in der Lichtführung.
Art-Déco-Tapete im Flur als erster Hinweis
Die klassische Villeninterieurs zeigen sich hier nicht über schwere Dekore, sondern über gezielte Details: gebogene Formen, unterschiedliche Fenstergrößen, ornamentierte Wände und sorgfältig gesetzte Textilien. Besonders im Flur bündelt sich das. Die Art-Déco-Tapete im Flur wirkt wie ein Zwischenraum mit eigener Handschrift. Sie greift das Motiv des kleinen Glasfensters auf und gibt dem Übergang zwischen den Zimmern eine klare Richtung. Der Gang wird dadurch nicht neutral, sondern lesbar.
Auch die Treppe bleibt Teil dieser Erzählung. Das weiße Geländer mit seinen regelmäßigen Aussparungen zieht eine feine Linie entlang des Aufgangs, während der dunkle Belag die Stufen optisch erdet. In den Bildern liest sich das fast wie ein grafischer Einschnitt in die helle Wandfläche. Solche Details halten das Haus zusammen, ohne laut zu werden. Sie verbinden die Zimmer über Material und Kontur, nicht über Wiederholung von Möbeln oder Farbe.
Lieblingsmöbel bekommen wieder Platz
Ein wichtiger Teil der Überarbeitung lag im Wiedersehen mit vertrauten Stücken. Das Paar wurde ermutigt, Möbel wieder hervorzuholen, die ihnen viel bedeuten. Die Großmutter-Stühle bekamen neue Bezüge aus einem kühleren Stoff, wodurch ihre Form erhalten bleibt, die Oberfläche aber frischer wirkt. Gerade bei einem Stuhl ist das spürbar: Er trägt Gebrauchsspuren im Kopf des Betrachters mit, auch wenn die Polsterung neu ist. Genau deshalb haben solche Stücke im Raum ein anderes Gewicht als Neukäufe.
Die Haltung dahinter ist leicht nachzuvollziehen. Statt alles neu zu ordnen, werden einzelne Dinge neu positioniert, neu bezogen oder mit einer anderen Funktion versehen. Das gilt auch für die eingebauten Bücherwand-Zonen, die auf den Bildern als ruhige Nischen erscheinen. Bücher, offene Felder und Sitzmöbel schaffen dort eine stillere Ecke, in der sich das Haus vom Essplatz weg in eine lesende, sammelnde Richtung öffnet. Die Wand bleibt dabei nicht Kulisse, sondern trägt den Raum.
Ein Haus mit vielen kleinen Verschiebungen
Die Jahre-zwanziger Villa Innenraum lebt von solchen Verschiebungen. Erker, runde Fassadenlinien, unterschiedliche Fenster und feine Fugen bilden den Hintergrund, doch die eigentliche Veränderung passiert im Maßstab der Möbel und Stoffe. Ein Tisch rückt, ein Inselmöbel folgt, Vorhänge wechseln die Farbe, ein Stuhl bekommt neue Polster. Das Ergebnis ist kein Umbau mit großem Bruch, sondern eine präzise Neuordnung. Jeder Eingriff zeigt sich an einer konkreten Kante, an einem Stoff, an einer Fläche, die jetzt anders fällt.
Auch im Licht lässt sich diese Neuordnung lesen. Die großen Fenster öffnen die Räume zum Grün, die roten Vorhänge setzen den Gegenpol, und die ornamentale Wand hält beides zusammen. In der Küche, im Flur und in den Wohnzonen entsteht so eine Abfolge, die nicht auf Effekte setzt. Sie arbeitet mit vorhandenen Elementen, veränderten Proportionen und wiederverwendeten Möbeln. Gerade dadurch bekommt das Interieur eine neue Selbstverständlichkeit.
Fotografie: Carin Verbruggen und Ferry Drenthem Soesman
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