Offene Wohnküche mit botanischer Tapete
Die offene Wohnküche liegt dort, wo früher eine Wand Küche und Esszimmer trennte. Jetzt fällt das Licht ungehindert durch beide Bereiche, und beim Kochen bleibt der Blick im Garten hängen. Die Küche steht noch am ursprünglichen Platz, doch der Raum wirkt weiter gefasst, weil Tisch, Stühle und Durchgang nun in einem Zug gelesen werden. Botanische Tapete und hellrosa Vorhänge setzen klare Akzente, ohne den ruhigen Grundton des Familienhaus Interieurs zu verlieren.
Ein historisches Haus, neu gelesen
Das Haus selbst bringt eine deutliche Ordnung mit. Die Grundstruktur aus dem frühen 20. Jahrhundert blieb erkennbar, und gerade darin liegt die Stärke der Eingriffe. Nichts versucht, die vorhandenen Proportionen zu übertönen. Stattdessen greifen neue Oberflächen, Möbel und Farben die vorhandenen Linien auf. In den Räumen begegnen sich geprägte Wandflächen, klassische Rahmungen und moderne Einbauten; sie sprechen nicht die gleiche Sprache, aber sie widersprechen sich auch nicht. So bleibt die Handschrift des Hauses lesbar, während der Alltag einer Familie Platz bekommt.
Besonders deutlich wird das in der offenen Wohnküche. Der einst getrennte Ablauf zwischen Kochen und Essen ist heute ein zusammenhängender Raum, in dem sich der Tisch selbstverständlich neben der Kochzone setzt. Die Afrikanischen Stühle aus London bringen eine eigenständige Note ein, ohne den Raum zu überladen. Über der Tischmitte hängt eine Leuchte mit mehreren blauen Schirmen, die das botanische Muster an den Wänden nicht kopiert, sondern mit einem eigenen Farbklang begleitet. Gerade diese Gegenüberstellung macht den Raum lebendig.
Botanische Tapete und hellrosa Vorhänge im Essbereich
Die botanische Tapete zieht die Aufmerksamkeit an sich, weil sie nicht als kleines Detail eingesetzt wurde, sondern die Wandflächen fast vollständig bestimmt. Ihr Muster rahmt den Essplatz und bringt Bewegung in die Fläche, während die hellrosa Vorhänge die großen Fenster weicher fassen. Das Licht fällt durch den Stoff gefiltert ein und nimmt den kräftigen Zeichnungen etwas Schärfe. Dadurch entsteht ein Wechsel aus Präsenz und Zurückhaltung, der dem Raum gut steht. Die Tischzone wirkt dadurch nicht dekoriert, sondern bewusst gesetzt.
Auch die Farbwahl im restlichen Raum folgt diesem Prinzip. Dunkelblau erscheint nicht als reiner Akzent, sondern als tragende Fläche im Arbeitsbereich. Das maßgefertigte Büro möbel in dieser Farbe steht neben der Wandbekleidung aus Vinyl in demselben Ton. Zusammen bilden sie eine ruhige, geschlossene Zone, die sich deutlich von der lebhafteren Essgruppe absetzt. So entstehen innerhalb eines Geschosses verschiedene Stimmungen, ohne dass Türen oder schwere Trennungen nötig wären. Die offene wohnküche bleibt dabei der zentrale Treffpunkt des Hauses.
Der Blick auf den Garten bleibt Teil des Kochens
Die Küche liegt so, dass der Blick beim Arbeiten direkt nach draußen führt. Das ist kein Nebeneffekt, sondern ein prägendes Detail, weil es den Kochplatz mit dem Garten verbindet. Die Arbeitsfläche, die Fenster und die Linien der Einbauten richten sich aufeinander aus. Dazu kommen die dunklen Unterschränke und das Inselmöbel, das den Raum ordnet, ohne ihn abzuschließen. In der Bildwirkung sind Holzfußboden, Fensternischen und die klare Kante der Möbel genauso wichtig wie das Muster an der Wand.
Gegenüber der Küche liegt eine eigene Sitzecke für die Kinder. Dort wird gepuzzelt, Gitarre gespielt und gelesen; die Beschreibung der Nutzung ist in der Raumwirkung sofort nachvollziehbar. Die Zone ist nicht abgetrennt, sondern über die Wand und den Durchgang nur leicht verschoben. Auch das Master bed & bath liegt auf derselben Etage. Dadurch bleibt das Wohnen auf einer Ebene konzentriert, während einzelne Bereiche über Farbe und Möblierung unterschiedliche Aufgaben bekommen. Das Familienhaus interieur funktioniert hier über kurze Wege und klare Übergänge.
Ein versteckter Fernseher statt einer dominanten Wand
Im Wohnzimmer sollte kein Fernseher sichtbar sein. Die Lösung sitzt daher in einem Schrank mit Liftsystem, der über die bestehende Lambrisierung gesetzt wurde. Das Gerät verschwindet darin, wenn es nicht gebraucht wird, und die Möbel wirken, als hätten sie diese Technik von Anfang an mitgedacht. Gerade weil die Schrankfront auf die vorhandene Wandverkleidung reagiert, fällt die Lösung nicht als technischer Einbau auf. Sie liest sich eher wie ein präzise ergänztes Stück Innenausbau als wie eine nachträgliche Korrektur.
Die Wirkung dieser Zurückhaltung zeigt sich auch an anderer Stelle. In der großen Aufenthaltszone bleibt die klassische Gliederung der Wände sichtbar, während die modernen Funktionen in Einbauten untergebracht sind. Das macht den Raum offen, aber nicht leer. Der Blick trifft auf Profile, Nischen, Vorhänge und Möbelkanten, die das Haus in Abschnitte gliedern. Gerade im Familienalltag ist das hilfreich: Dinge bekommen ihren Platz, ohne dass dafür die Architektur verändert werden muss. Maßgefertigte Einbauten übernehmen hier die Rolle, die sonst lose Möbel oder sichtbare Technik einnehmen würden.
Die oberen Zimmer als eigene kleine Welt
Auf der zweiten Etage sind die Kinder untergebracht. Die Mädchen teilen sich ein rosa Zimmer, das mit seiner Farbigkeit sofort als eigener Bereich lesbar ist. Der Bruder schläft in einem Baumhaus-Bett, das sich als spielerische Konstruktion im Raum behauptet. Diese Zimmer folgen nicht demselben Ton wie die repräsentativen Bereiche darunter, sondern setzen auf direkte Bilder und persönliche Nutzung. Das Haus verteilt damit nicht nur Funktionen, sondern auch Temperamente. Jeder Raum bekommt eine andere Intensität, abhängig davon, was dort tatsächlich geschieht.
Der kleinste Raum des Hauses bietet das schönste Ausblickmoment. Von dort fällt der Blick auf ein kleines Türmchen und auf die Lichter am Abend, die zwischen Bäumen und Laternen auftauchen. Die Beschreibung erinnert fast an eine Szene aus einem alten Buch, aber ohne den Raum zu verklären. Entscheidend ist die Reihenfolge der Eindrücke: Vordergrund, Baumkronen, Lichtpunkte in der Ferne. Genau diese Staffelung macht den Blick so prägnant und erklärt, warum selbst ein kleiner Raum im Haus eine besondere Rolle bekommt. Das Familienhaus Interieur endet also nicht an den Hauptzimmern, sondern bis in den Rand der Grundrisse hinein.
Die Ruhe des Hauses entsteht weniger durch Zurückhaltung als durch klare Entscheidungen. Die botanische Tapete trägt den Essbereich, die hellrosa Vorhänge brechen das Tageslicht, die dunkelblaue Bürowand setzt einen festen Gegenpol, und der versteckte Fernseher hält das Wohnzimmer frei von sichtbarer Technik. Dazwischen verbinden Holzfußboden, alte Wandgliederungen und die maßgefertigten Einbauten die Räume miteinander. So entsteht ein Haus, in dem die historische Struktur nicht museal wirkt, sondern im Alltag weiterarbeitet.
Fotografie: Carin Verbruggen und Ferry Drenthem Soesman
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