Offener Wohnraum im Landhaus mit Blick ins Grüne
Große Fenster fassen das Grün wie ein bewegtes Bild. Im Inneren des Landhauses lag der Ausgangspunkt jedoch ganz woanders: niedrige Decken, geschlossene Räume und eine Raumfolge, die den Blick eher bremste als öffnete. Aus einem ursprünglich auf eine neue Küche reduzierten Auftrag entwickelte sich deshalb ein offener Wohnraum, der die Umgebung nicht nur aufnimmt, sondern ständig mitdenkt. Das Haus arbeitet nun mit Licht, Ausblick und einer deutlichen vertikalen und horizontalen Öffnung des Volumens.
Fenster, die den Blick nicht nur zeigen, sondern ordnen
Die großen Fenster mit Blick nach draußen bestimmen den ersten Eindruck. Sie setzen die Weite der Umgebung in einen klaren Rahmen und machen die Landschaft zum festen Bestandteil des Landhausinterieurs. Statt kleiner, abgeschlossener Zimmer gibt es heute Sichtachsen, die durch das Haus laufen und den Wechsel von Tag und Jahreszeit in den Innenraum holen. Genau darin liegt die neue Rolle des Hauses: als offener Wohnraum, der nicht abgeschlossen wirkt, sondern den Außenraum bewusst mit einbindet.
Auch die ursprüngliche Beschreibung als Wohnobservatorium wird hier nachvollziehbar. Der Ausdruck klingt theoretisch, doch im Raum zeigt er sich sehr konkret: in der Art, wie das Licht auf den Böden liegt, wie die Fensteröffnungen die Umgebung einrahmen und wie sich die Blickbezüge durch das Haus ziehen. Das Landhausinterieur ist damit weniger Kulisse als Instrument. Es macht aus der Aussicht ein wiederkehrendes Motiv, das in jedem Bereich anders erscheint.
Vom geschlossenen Grundriss zum offenen Wohnraum
Die Eingriffe setzten bei der Raumhöhe und der Raumfolge an. Niedrige Decken wurden nicht als gegeben akzeptiert, sondern als Hindernis für das vorhandene Potenzial gelesen. Durch die Öffnung in zwei Richtungen entstand mehr Luft im Volumen und eine Lesbarkeit, die vorher fehlte. Die Räume verlieren ihre Enge, ohne ihre Funktion zu verlieren. Gerade das macht die Veränderung so deutlich: Der Grundriss folgt nicht mehr nur einzelnen Zimmern, sondern einer zusammenhängenden Bewegung durch das Haus.
Die ursprüngliche Küchenaufgabe blieb dabei wichtig, weil sie den ersten Anlass für die Umgestaltung markierte. Von dort aus weitete sich das Denken auf das gesamte Haus aus. Der offene Wohnraum wurde zur zentralen Lösung, nicht als formale Geste, sondern als Antwort auf die Lage und auf die Sicht nach draußen. Das Ergebnis ist ein Innenraum, der den Blick lenkt, statt ihn zu unterbrechen.
Küche mit Kochinsel, Balken und Steinboden
Die Küche mit Kochinsel zeigt sehr deutlich, wie das Materialkonzept den neuen Raum trägt. Hölzerne Fronten stehen auf einem Boden aus grauem Naturstein, darüber liegen sichtbar belassene Balken, die mit zurückgewonnenem Holz aus alten Chalets bekleidet sind. Diese Schichtung aus Holz, Stein und Struktur gibt der Küche Gewicht, ohne sie zu schließen. Die Kochinsel markiert die Mitte, während die Balken den Blick nach oben öffnen und die Raumhöhe spürbar machen.
Auch die Wandfläche mit Marmor und das kleine Glasmöbel im Küchenbereich sind keine isolierten Details, sondern Teil derselben zurückhaltenden Materialfolge. Nichts drängt sich vor das andere. Das Landhausinterieur gewinnt dadurch an Klarheit: Der offene Wohnraum bleibt großzügig lesbar, weil die Oberflächen präzise aufeinander reagieren. Holz nimmt dem Stein die Härte, Stein gibt dem Holz Halt, und die Balken verbinden beides mit der vorhandenen Konstruktion.
Recycelte Holzbalken als sichtbare Struktur
Die mit recyceltem Holz verkleideten Balken gehören zu den stärksten Eingriffen im Haus. Sie lassen die Decke nicht verschwinden, sondern geben ihr eine neue Haut und eine andere Präsenz. Im offenen Wohnraum entsteht so keine glatte Neutralität, sondern eine Oberfläche mit Geschichte und Faser. Das Holz aus alten Chalets bringt eine sichtbare Materialtiefe mit, die sich im Tageslicht verändert und den Raum weniger starr wirken lässt.
Weil die Balken nicht versteckt werden, sondern bewusst lesbar bleiben, behalten sie ihre konstruktive Rolle. Zugleich geben sie dem Innenraum einen ruhigeren Maßstab. Im Zusammenspiel mit den großen Fensteröffnungen wirkt der Raum nicht überladen, sondern fokussiert. Das ist wichtig für ein Landhausinterieur, das mit Aussicht arbeitet: Die Struktur darf anwesend sein, aber sie darf den Blick nicht blockieren.
Materialien, die Gewicht und Ruhe zugleich tragen
Der Materialmix setzt auf direkte, sichtbare Wirkung. Naturstein im Bad erscheint als gestapelte Wandfläche in Grau- und Weißtönen, dazu ein Waschtisch aus Eichenholz und ein steinernes Becken. Das ist kein dekoratives Ensemble, sondern eine klare Gegenüberstellung von Struktur und Maserung. Die Wand trägt den Raum, das Holz setzt eine weichere Linie, und die metallische Armatur bringt einen präzisen Abschluss in die Komposition.
Diese Materialität zieht sich auch durch andere Bereiche des Hauses. Holzfronten, Natursteinboden und Marmorfläche begegnen einander ohne aufdringliche Übergänge. Im Wohnzimmer greifen blaue Sofas den offenen Charakter des Raums auf, ohne den Blick auf die Natur zu stören. Sie liegen tief im Raum, vor einer Wand mit Steinstruktur, und geben dem offenen Wohnraum eine klare Möblierung, die nicht gegen das Haus arbeitet, sondern mit ihm.
Naturstein im Bad als ruhige Gegenform
Das Bad ist in diesem Projekt kein Nebenraum, der sich vom restlichen Haus absetzt. Die Natursteinwand mit den hellen und dunklen Schichtungen setzt vielmehr denselben Materialton fort, der auch im Rest des Hauses spürbar ist. Der Eichenholz-Waschtisch bringt eine warme, klare Linie hinein, während das steinerne Becken den robusten Charakter betont. Das Ergebnis bleibt sachlich und greifbar. Es geht um Masse, Oberfläche und die Art, wie Licht über den Stein läuft.
Gerade in einem Landhausinterieur mit starkem Bezug zum Außenraum braucht ein solcher Raum eine ruhige Sprache. Der Naturstein übernimmt diese Rolle, ohne laut zu werden. Er gibt dem Bad eine feste Lesbarkeit, die gut zu der größeren Erzählung des Hauses passt: wenig Unterbrechung, viele klare Flächen und eine Materialwahl, die den offenen Wohnraum nicht verliert, sondern in anderen Maßstäben wiederholt.
Terrasse und Außenkamin als Verlängerung des Wohnraums
Auch draußen setzt sich die Raumidee fort. Die Terrasse liegt mit schwarzem Fensterrahmen, weißer Fassade und einem Außenkamin mit Natursteinumbau am Rand des Hauses. Der Kaminzone gibt dem Außenraum ein Gewicht, das über die reine Nutzung hinausgeht. In der winterlichen Umgebung mit Schnee und offenem Garten wirkt der Platz nicht wie ein Zusatz, sondern wie eine Erweiterung des Wohnraums nach außen. Die Verbindung zwischen innen und außen bleibt dabei sichtbar und präzise lesbar.
Die natürliche Umgebung ist nicht nur Kulisse, sondern Teil des täglichen Blicks. Die erwähnte Teichlandschaft mit Fischen, Enten und anderem Wild gehört zu diesem Hintergrund, ebenso die offenen Gartenflächen rund um das Haus. Genau deshalb funktioniert das Projekt so überzeugend: Der offene Wohnraum richtet sich nicht gegen die Natur, sondern auf sie zu. Fenster, Balken, Stein und Terrasse arbeiten zusammen und geben dem Landhausinterieur eine klare, ruhige Ordnung.
Im fertigen Zustand liest sich das Haus als Raumfolge, die vom geschlossenen Grundriss weg und hin zu Offenheit, Blick und Materialtiefe geführt wurde. Die Küche mit Kochinsel war der Anlass, doch das Ergebnis reicht weiter. Was sichtbar bleibt, ist die Umformung des Volumens, die Wiederverwendung der Balken und die sorgfältig gesetzten Oberflächen aus Holz, Naturstein und Marmor. So entsteht ein offener Wohnraum, der die Landschaft nicht nur zeigt, sondern in den Alltag holt.
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