Jeroen de Nijs

Historisches Interieur mit Galerie

Rohes Ziegelmauerwerk trifft hier auf ein weißes, skulpturales Volumen mit Galerie. Dazwischen spannt sich ein hoher Raum, in dem schwere Holzbalken die Decke zeichnen und die versetzten Ebenen den Weg durch das Interieur vorgeben. Das historisches Interieur mit Galerie funktioniert nicht über einen einzigen Blick, sondern über Bewegung: Treppe, Podest, Nische und Übergang greifen ineinander.

Alte Substanz bleibt sichtbar

Das Mauerwerk ist abgekratzt und zeigt seine unregelmäßige Oberfläche. Gerade diese Spuren geben dem Raum Gewicht, ebenso wie die dunklen Balken unter dem hohen Deckenfeld. Im Kontrast dazu steht der helle Innenausbau, der nicht versucht, den Bestand zu verdecken. Er legt sich vielmehr als präziser Eingriff in die vorhandene Struktur. So entsteht ein Monument mit modernem Ausbau, bei dem die alte Hülle immer lesbar bleibt.

Die offene Fläche ist als Gästeunterkunft von rund 90 Quadratmetern genutzt und schließt an die darüberliegende Wohnung an. Diese Verbindung spürt man an den Zwischenebenen und an der Art, wie die Räume ineinander übergehen. Nichts ist streng getrennt. Stattdessen verschiebt sich die Nutzung entlang von Kanten, Stufen und Durchblicken. Genau daraus gewinnt das Split-Level-Interieur seine Spannung.

Das weiße Treppenvolumen als räumliche Mitte

Im Zentrum steht das weiße Treppenvolumen, ein plastischer Körper mit Galerie und Zwischengeschoss. Die Treppe springt versetzt nach oben, läuft an der Wand entlang und öffnet immer wieder neue Blickrichtungen. Von unten wirkt das Volumen wie ein Möbel im Maßstab des Raums; von oben wird es zur Erschließung, die die einzelnen Funktionen miteinander verknüpft. Genau diese mehrstufige Erschließung macht den Raum lesbar.

Im weißen Ausbau sind ein Logierbereich, eine Filmwand, eine Pantry und ein WC untergebracht. Die Funktionen verschwinden nicht, sie sind in den Körper eingeschrieben. Dadurch bleibt die Fläche offen, obwohl sie dicht genutzt wird. Das eingebaute Bücherregale-artige Denken zeigt sich auch an den ruhigen Kanten des Volumens, das nicht nur trägt, sondern ordnet. Der szenografischer Innenausbau gibt jeder Zone einen klaren Platz.

Versätze statt gerader Wege

Die Bewegung durch das Interieur ist bewusst gebrochen. Eine Stufe führt weiter, ein kleiner Lauf schwenkt ab, dann öffnet sich wieder eine Ebene unter der Galerie. Diese Sequenz macht den Raum fast wie eine Folge von Szenen erfahrbar. Man entdeckt ihn nicht auf einmal. Das ist besonders deutlich in den Blicken auf die Videbrüstung, die den oberen Bereich markiert und zugleich den Kontakt zur unteren Zone hält.

Auch die dunkle Bodenfläche unterstützt diese Dramaturgie. Sie zieht die einzelnen Elemente zusammen, ohne sie zu glätten. Zwischen dem weißen Volumen, dem Holz und dem alten Mauerwerk entstehen harte Übergänge, die den Raum schärfer wirken lassen. Das Zusammenspiel von Ziegel und modernes Interieur ist hier kein Dekor, sondern die eigentliche Struktur des Grundrisses.

Ein Holzblock mit Bad und Arbeitsplatz

Neben dem weißen Kern steht ein Holzmöbel, das zwei sehr unterschiedliche Nutzungen aufnimmt: eine Jacuzzi-Zone und einen Arbeitsplatz. Im Bild wirkt dieser Teil wie ein massiver Einbau, der das Licht auf seiner Oberfläche bündelt. Der dunklere Bereich am Boden und die Stein- oder Plattenflächen daneben geben ihm einen ruhigen Rahmen. So bleibt der Raum offen, obwohl er viele Funktionen trägt.

Die Nähe von Ruhezone und Arbeitsecke ist nicht als Möbelstaffage gelöst, sondern als kompakte Raumfigur. Gerade deshalb liest sich der Einbau als Teil des gesamten Interieurs und nicht als nachträgliche Ausstattung. Die Linien der Treppe, die Holzfläche und die angrenzende Ziegelwand greifen ineinander. Das Ergebnis ist ein historisches Interieur mit Galerie, in dem auch kleine Nutzungen ihren festen Ort erhalten.

Bücher, Wand und Blickrichtung

Entlang des Volumens sind Regale eingebaut, die den Eindruck einer kleinen Bibliothek erzeugen. In der Nähe der Treppe ordnen sie Bücher und Objekte an einer dunklen Struktur, während darüber die Galerie mit Geländer verläuft. In einer anderen Ansicht wird die Wand zur Bildfläche: Eine Projektion liegt auf dem Ziegel und macht deutlich, wie flexibel der Raum genutzt werden kann. Diese Mischung aus Einbau, Wand und Zwischenraum hält das Interieur in Bewegung.

Gerade die vertikale Staffelung verhindert, dass der große Raum leer wirkt. Die Möbel sitzen nicht lose darin, sondern folgen der Höhe und dem Verlauf der Treppe. Dadurch entstehen Stellen zum Sitzen, Anlehnen und Gehen, ohne dass der Grundriss seine Offenheit verliert. Die mehrstufige Erschließung wird so zum eigentlichen Thema des Entwurfs.

Ein Durchgang in den Garten

In der monumentalen Rückwand ist eine Öffnung zum Garten angelegt. Dieser Zugriff bringt einen weiteren Bezug in das Interieur und beendet den Raum nicht an der schweren Ziegelhaut. Das Auge findet dort einen Ausweg, während im Inneren Balken, Stufen und das weiße Volumen weiter dominieren. Der Außenbezug bleibt knapp, aber wichtig: Er erweitert die Abfolge der Räume um einen zusätzlichen Richtungswechsel.

Zusammen mit der hohen Decke und dem offenen Zwischenraum entsteht ein Interieur, das eher über Volumen als über Zimmer denkt. Die Galerie blickt auf die darunterliegenden Funktionszonen, die Treppe führt durch sie hindurch, und der Bestand gibt die Maßstäbe vor. So bleibt das historische Interieur mit Galerie klar ablesbar: altes Mauerwerk, schwere Holzbalken und ein präziser moderner Ausbau arbeiten hier nicht gegeneinander, sondern in derselben Raumfigur.

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